Biographie
                                                                               (J.-G. Nehls)

Als ich am 14. 02. 1918 geboren wurde, war mein Vater im Westen an der Front. Mutters Schwester Clara Wiese war zu dieser Zeit Hilfe und die Hebamme Frau Gads aus Mestlin leistete Beistand.
1924 kam ich zur "Lütt Schaul", der Grundschule mit Carl Schultz als Lehrer und Schulleiter, blieb dort 3 Jahre und kam dann zur "Grot Schaul" bei Köster Wendt. 1928, Ostern, kam ich zur Großen Stadtschule nach Wismar, wohl weil Onkel Otto und Tante Mariechen Wiese dort zur Schule gegangen sind. Ostern 1934 glaubte ich, genug gelernt zu haben und begab mich in die Hände meines Vaters. 1937/38 ein halbes Jahr Arbeitsdienst in Neubrandenburg und ab November 1938 Artillerist in Perleberg. Bei einer Fahrschulfahrt im Juli 1939 mit Beiwagenkrad fuhr uns der Fahrer in einer Rechtskurve in Falkenhagen bei Pritzwalk gegen eine Hausecke. Der Fahrer war sofort tot, ich lag bis 19. 12. 1939 in verschiedenen Lazaretten. Im April 1940 war ich wieder daheim und kehrte dann zur alten Einheit zurück. Anschließend im Balkan und Rußland bis Juli 1942 im Fronteinsatz kam ich übers Lazarett wieder in die Heimat. Es folgte soldatischer Einsatz bis 23. 4. 1945, dann die Gefangenschaft im Westen bis 9. November 1946. Schwarz ging es über die Grenze nach Hause. Der Hof wurde auf mich zum 1. 1. 1947 überschrieben. Ich wirtschaftete in der Hoffnung, daß es einmal besser werden würde. Doch dann flüchtete ich mit Vater und der Familie am 27. 7. 1952 nach Westberlin.
So schreibt die Schweriner Volkszeitung Nr. 32 vom 07. 02. 1958:
"Heute, an diesem Tage, werden die Gedanken vieler, die hier im Saal sitzen, um einige Jahre zurückgehen. 1953 war es. Die Feinde unseres sozialistischen Aufbaus wollten uns einen Schlag versetzen. Durch Flüsterpropaganda, durch den RIAS und durch Agentenarbeit hatten sie unter den Großbauern in Ruest ihre Opfer gefunden. Mit einem Schlag hatten, bis auf wenige Ausnahmen, alle Ruester Großbauern unseren Arbeiter- und Bauernstaat verlassen.
Das Vieh halb verhungert, kein Saatgut, kein Futter war vorhanden, alles hatten die Großbauern vor ihrer Flucht verschoben oder es war irgendwie verschwunden."

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                                                                Erinnerungen bis 1945
                                                                     (J.-G. Nehls)

Sie beginnen etwa 1924, als ich zur Schule kam. Der Lehrer Karl Schulz hatte die Schüler in drei Klassen (Lütt Schaul). Dann kamen sie zur Großen Schule (Grot Schaul), die Lehrer Wendt leitete. Die großen Schüler konnte er auf Grund seines Alters nicht mehr so recht regieren.
Vor 1930 gab es mehr Schnee als später. Einmal war so viel Schnee gefallen, daß nur die Spitzen der Koppelpfähle zu sehen waren. Die Teiche froren meistens zu, so daß wir in jüngeren Jahren mit dem "Peikschläden" auf dem Eis umherfuhren. Der kleine Schlitten war aus Holz mit Bögen für die Fußspitzen und einem Rundeisen unter der Kufe. Er wurde fortbewegt mittels einer Stange, an deren unteren Ende eine eiserne Spitze war. Rodelschlitten gab es zu der Zeit in Ruest noch nicht. Des öfteren schlief ich bei meinem Großvater Wiese. Eines Nachts klopfte der Nachbar ans Fenster und sagte, daß es auf dem Ruester Hof brenne. Wir beide los. Es brannte die Scheune vom Gastwirt und Bauer Brenncke (um 1930).
Am 28. August 1944 brannten Scheune und Viehhaus der Hufe XIII ab. Gegen Abend hatten die Franzosen Grünfutter geholt. Mein Vater, der ein paar Tage vorher aus dem Lübzer Krankenhaus gekommen war, stand in der Haustür und wollte den beiden Franzosen etwas sagen, als es grell aufleuchtete. Ein Blitz schlug in die Scheune ein und lief über den Hof in das Viehhaus. Beide Gebäude brannten im Nu lichterloh bis auf die Grundmauern nieder, bis auf eine Kornmiete mitsamt der Ernte, Schrotmühle, Häckselmaschine, Breitsäer, Kleesaatmaschine, zwei Kutschwagen, zwei Ackerwagen und anderem Gerät. Zum Glück stand der Dreschsatz an der Kornmiete. Der große Kastanienbaum vor dem Haus hielt einen Brand des Wohnhauses ab. Er wurde aber auch vernichtet. Feuerwehren aus Ruest, Mestlin und Groß Niendorf rückten an und löschten, so gut es ging. Dabei pumpten sie den Teich total leer. Als Vater im Lübzer Krankenhaus lag, hatte ich in paar Tage Ernteurlaub bekommen, war aber bereits seit einer Woche wieder in der Garnison in Rerik. Trotzdem bekam ich sofort Sonderurlaub. Alle Bauern halfen nach ihren Möglichkeiten, machten Fuhrdienste und so weiter. Besonders stand der Bauer Gehrkens meinen Eltern zur Seite. Aber es war letztlich doch alles vergebens. Denn als eine Scheune als Behelf für Rindvieh und Pferde fertig war, kam das Kriegsende und das Chaos. Mein Bruder starb im Dezember 1943 in Weimar in einem Lazarett. 1944 der Brand, das Kriegsende 1945, die ständigen Bedrohungen gegen meinen Vater - das war zuviel für meine Mutter. Sie tötete sich am 6. Mai 1945. Ich war zu der Zeit im Westen in Gefangenschaft.


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